Feiern in München III – Dekadenz

Dekadenz (v. frz.: décadence; < lat.: de- ab, cadere fallen) beschreibt einen kulturellen Niedergang. Der Begriff setzt voraus, dass es objektiv bessere oder wünschenswertere gesellschaftlich-kulturelle Zustände gebe. Im modernen Sprachgebrauch wird der Begriff Dekadenz überwiegend gleichgesetzt mit Verschwendung oder Übermaß im Sinne eines sozial schädlichen Abweichens von einer natürlichen und allgemein üblichen Lebensform. (Quelle)

München im kulturellen Niedergang? Jeder Münchner würde so einer Aussage widersprechen. Die Menschen dieser „schönen Stadt“ sehen aber von außen betrachtet etwas anders aus, als sie sich sehen. Wie sich ein Besucher in Köln über Offenheit und rheinländische Frohnatur wundern mag, wundert sich der Besucher in München über Arroganz, das Gefühl, sich doch in einem Bauerndorf zu befinden und nicht zuletzt das sozial schädliche Übermaß. Die Schönen und Reichen kümmern sich eben nicht um die sozial Schwachen. Das hat ein bisschen was von Lehnherrschaft. Wer nichts hat, kriegt auch nichts – keine Arme, keine Kekse.

Nun aber endlich zu dem Abend, am Donnerstag letzter Woche. Marc hatte mich gefragt, ob ich nicht mit einigen Kommilitonen ins Max&Moritz kommen wolle. Nicht mein Fall, normalerweise. Aber da wir zu Mehreren waren, versprach es trotzdem ein guter Abend zu werden und den Eintritt gabs durch ausgedruckte Gutscheine auch umsonst.

Tja das Max&Moritz ist schon ein prima Schuppen. Die haben echt einiges aus dem Keller rausgeholt, sieht super aus. Die Getränke sind für München auch relativ billig. Erst in Richtung Garderobe erkennt man den alten Keller. Tja sonst ist mir hauptsächlich die Musik aufgefallen. Nahezu nur Hiphop und RNB. Tut mir Leid, aber auch wenn ich in der Lage bin, meinen Körper dazu ein bisschen zu bewegen: aber das ist doch keine schöne Musik. Sowas wie „Bettina, pack deine Brüste ein!“ oder „Krawall und Remmidemmi“ haben wir doch früher als 15jährige aus Spass auf Tapes aufgenommen und mit dem Mund die Musikgeräusche nachgeahmt.

Zum Glück hatten wir geplant, nach grob 2 Stunden nebenan in die 089-Bar (und das zugehörige Pacha) zu gehen. Ab 6 Leuten wird es aber schwierig, alle gleichzeitig zu etwas zu bewegen. So dauerte es auch einige Zeit (und 2 Leute gingen glaub ich verloren) bis alle drüben in der 089-Bar waren. Immerhin war hier die Musik abwechslungsreicher. Außerdem kann es natürlich nicht sein, dass in einem der nobelsten Clubs Münchens totales Rauchverbot ist und die Reichen es sich nicht erlauben können, auch drinnen zu Rauchen. Also gibts da so ne Art beheiztem Vorraum mit Bar, wo man rauchen darf.

Interessant waren auch die Menschen in diesem Club. Nachdem ich irgendwann mit einem Bier von der Bar wiederkam, wurde ich empfangen mit „Hey du standest grade neben Bushido!“ … – „Wer isn das?“ … – „Na, der Typ da hinten!“ – „Hm ok. *schulterzuck*“ … Ich hätte den Kerl nichtmal erkannt, wenn er mir was vorgerappt hätte. Das sind Leute mit denen ich nun wirklich nichts zu tun haben brauche. Genau wie mit diesem Michael Amman (oder so ähnlich), mit dem sich alle Mädels fotografieren lassen wollten. Versteh ich nicht. Ne im Ernst, Leute, was macht ihr? Glaubt ihr, dass etwas von dem Glanz des Pseudo-Stars auf euch abfällt? Geht es euch danach besser? Was habt ihr davon? All das ist so oberflächlich, fassadenhaft. Aber lustig wäre ein Gespräch mit Bushido schon geworden. Ich als alter Metaller hätte ihm echt mal sagen wollen, er solle mal in die Schule gehen, bevor er wieder Texte schreibt. Eigentlich ist das, was er tut Verführung von Minderjährigen, Verführung zur Dummheit. Ob ihm das klar ist? Für die Leute die seine Musik hören, ist das Punk denke ich. Rebellion gegen eine vorgegebene Moral. Aber doch nicht dadurch, dass man Bildung ausschaltet!?

Irgendwann hab ich aber doch noch eine interessante Gesprächspartnerin gefunden und ohne irgendwelche weiteren Absichten haben wir uns einfach nur unterhalten. Das muss es halt auch mal geben. Die Feier ging dann auch irgendwann zuende, als die Züge in München wieder fuhren (es muss also nach 5 gewesen sein). Nach einem so alkoholischen Abend plagt einen aber auch immer der Heisshunger. Und kommt man dann an nem Macces vorbei, schlägt man sich nochmal den Ranzen voll. Ist bestimmt gut, nach all dem Bier (San Miguel ist als Bier übrigens nicht zu empfehlen … gibt Kopfschmerzen am nächsten Tag), vor allem für Leute die abnehmen wollen ;)

Es war Alles in Allem doch ein schöner Abend. Und er hat mich in der Ansicht bestärkt, dass ich nicht so gern in dekadente Clubs gehe, sondern lieber in solche, wo Leute mit zerrissenen Klamotten rumlaufen dürfen, die vielleicht auch nicht so viel in der Tasche haben. Die sind wenigstens noch sie selbst.

Eine Antwort to “Feiern in München III – Dekadenz”

  1. Mounty Says:

    Ich würd mir den Kommaentar ja gern verkneifen, aber ich kanns einfach nicht!
    DU KENNST BUSHIDO NICHT?! Ok, ich hätte ihn auch nicht erkannt, wenn ich daneben gastanden hätte… Aber wenn einer zu mir gesagt hätte „Der Typ da links von dir, das war Bushido!“, dann hätt ich mir wenigstens ne geistige Notiz machen können meine Klamotten zu verbrennen und meine linke Körperseite daheim zu desinfizieren :-) Alter, man muss doch wissen wovor man sich und seine Umgebung schützen muss!
    Aber jetzt mal Spaß bei Seite! Nach den ersten paar Absätzen hab ich ja schon fast befürchtet du würdest in Depressionen oder Melancholie versinken! Ich seh schon, wenn du mal wieder zu Haus bist, müssen wir dringend mal wieer ins MTC oder Previlege oder so. Bin mir sicher beim nächsten mal gibts auch wieder andere (bessere) Gesellschaft, als nur meine… und wenn wir sie erst noch kennen lernen müsssen ;-)

    Also auf bald!

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